
In seiner Sitzung am 16. Oktober hat der Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart dem Leitbild und der Konzeption des Stadtmuseums im Wilhelmspalais sowie dem Entwurf des Raumprogramms zugestimmt. Das Hochbauamt wurde mit der Durchführung eines begrenzt offenen Realisierungswettbewerbs auf der Basis des Raumprogrammentwurfs für Museumsgestalter und Architekten beauftragt.
Der Gemeinderat hatte bereits am 8. November 2007 der Einrichtung eines Stadtmuseums grundsätzlich zugestimmt den Planungsstab Stadtmuseum beauftragt, eine inhaltliche Konzeption für das Museum zu erarbeiten. Die dafür notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen wurden im Doppelhaushalt 2008/2009 bereitgestellt. Leitbild und Konzeption für das Stadtmuseum liegen vor.
Ausgehend von dieser Konzeption wurde das Raumprogramm entwickelt. Ohne das Wesen des denkmalgeschützten Hauses mit seinen räumlichen Gegebenheiten grundsätzlich in Frage zu stellen, ist es Ziel des Raumprogramms, das Haus für die Neunutzung lebendig zu interpretieren.
Zur Auswahl der Museumsgestalter und Architekten soll ein europaweiter begrenzt offener Wettbewerb nach GRW (Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe auf den Gebieten der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens) mit 15 bis 21 Teilnehmern ausgelobt werden. Angesprochen werden zum einen Gestaltungsbüros, die auch die Bauplanung erbringen können und zum zweiten Projektteams, die aus Gestaltungs- und Architekturbüros bestehen. Die Entscheidung des Preisgerichts soll im Mai 2009 die Entscheidung des Wettbewerbsverfahrens herbeiführen. Die Kosten für die Durchführung des Realisierungswettbewerbs belaufen sich auf rund 200.000 Euro.
Ziel ist es, das Stadtmuseum im Wilhelmspalais Ende 2012 zu eröffnen. Folgende Termine sind vorgesehen:
November 2008: Vorbereitung und Durchführung des VOF-Verfahrens und des Wettbewerbs
Mai 2009: Bericht über das Ergebnis des Wettbewerbs und Vorprojektbeschluss
Mai 2010: Projektbeschluss
Juli 2011: Baubeschluss und Baubeginn. Dieser Termin ist abhängig vom Auszugstermin der Stadtbücherei.
Das Stadtmuseum wird ausgehend von aktuellen Themen die Geschichten der Stadt und ihrer Bewohner darstellen. Im Mittelpunkt stehen die Menschen. Die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen städtischen Identität ist ebenso ein Ziel des Stadtmuseums wie die Stärkung der Identifikation mit der Stadt. Das Stadtmuseum als kommunale Einrichtung will eine möglichst breite Öffentlichkeit ansprechen. Kinder und Jugendliche sind eine besonders wichtige Zielgruppe. Die Museumskonzeption umfasst:
- Die ständige Ausstellung mit einem topographischen Stadtmodell der gesamten Gemarkung, an dem mit Medienunterstützung die gesamte Geschichte der Stadt bis zur Gegenwart erzählt wird. Daran schließt sich eine thematische Ausstellung an, die unter dem Arbeitstitel „Menschen und Ideen – made in Stuttgart“ anhand besonderer technischer, sozialer und kultureller Leistungen die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt erzählt. Die ständige Ausstellung wird ergänzt durch einen Film zur Geschichte der Stadt.
- Vermittlungsangebote für Kinder und Jugendliche, Erwachsene und Senioren sowie eigenständige inhaltliche Angebote im Internet.
- Sonderausstellungen zur Ergänzung und Vertiefung der ständigen Ausstellung.
- Das „StadtLabor“ als eigenen Bereich für Kinder und Jugendliche ab ca. 8 Jahren, die in altersspezifischen aktiven Programmen sich mit Fragen der Stadtentwicklung und -planung beschäftigen. Räume für Gruppenaktivitäten ergänzen das „StadtLabor“.
- Der „StadtRaum“ als Besucherservicebereich bietet Information und Entspannung und verbindet einen Lese- und Recherchebereich, eine kleine aktuelle Ausstellungsfläche mit Café und Shop. Dieser Bereich soll auch für Vermietungen zur Verfügung stehen.
Baufachliches Gutachten – Denkmalschutz
Das Hochbauamt stellte durch eine baufachliche Untersuchung fest, dass sich das Wilhelmspalais sehr gut für einen Umbau zum Museum eignet und für Ausstellungs- und Veranstaltungsaktivitäten ausreichende Flächen bietet. Das vom italienischen Baumeister Salucci erbaute Gebäude ist auch bereits selbst Teil der Stadtgeschichte Stuttgarts geworden. 1929 wurde das Palais von der Stadt gekauft. Im 2. Weltkrieg wurde es bis auf die Umfassungsmauern zerstört und von den bekannten Stuttgarter Architekten Prof. W. Tiedje und Prof. H.-M. Witzemann als Stadtbibliothek wieder aufgebaut. Das Wilhelmspalais wurde einschließlich seines Innenausbaus von 1961 als Kulturdenkmal besonderer Bedeutung in das Landesverzeichnis der Baudenkmale eingetragen.
Bei einem derartig herausragenden Gebäude, wie es das Wilhelmspalais darstellt, ist es für die Stadt Stuttgart selbstverständlich, dass das Wesen des Hauses mit seinen räumlichen Gegebenheiten nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden kann. Das Haus muss aber dennoch für eine neue Nutzung lebendig interpretierbar sein. So ist es nicht auszuschließen, dass die unterschiedlichen Auffassungen zwischen der Stadt Stuttgart als Bauherrin und dem Regierungspräsidium als obere Denkmalschutzbehörde im Rahmen des denkmalschutzrechtlichen Verfahrens diskutiert werden müssen. Inwieweit sich daraus möglicherweise eine Rückstufung oder sogar eine Aufgabe der Denkmaleigenschaft ergibt, muss im Rahmen des Verfahrens entschieden werden.
Obwohl der konstruktive Zustand der Bausubstanz als insgesamt gut zu bewerten ist, müssen, um die neue Nutzung als Stadtmuseum zu ermöglichen, weitgehende Umbaumaßnahmen im Wilhelmspalais durchgeführt werden. Diese resultieren auf der Anpassung der haustechnischen Anlagen bzw. der Anpassung des Brandschutzes und der Bauphysik an die heutigen Anforderungen, an Gesetze und technische Normenwerke, denen das Gebäude in seinem jetzigen Zustand nicht mehr gewachsen ist.
Das klassizistische Wilhelmspalais bildete mit dem ehemaligen Kronprinzenpalais als Endpunkt der Planie eine für Stuttgart wichtige historische Stadtachse. Mit dem Abbruch des Kronprinzenpalais in den 60er Jahren ging dieser städtebauliche Schwerpunkt gegenüber dem Wilhelmspalais verloren. Durch den Neubau des Kunstmuseums 2005 wurde die Planie wieder im Stadtraum gefasst und die an der Planie liegenden historischen Gebäude haben wieder einen optischen Halt im Stadtgefüge erhalten. Auch inhaltlich ist mit dem Bau des Kunstmuseums ein Sprung von der Geschichte zur Gegenwart gelungen.
Für den Betrieb des Stadtmuseums im Wilhelmspalais werden Depot- und Werkstattflächen benötigt, die den Nutzeranforderungen eines Museumsbetriebs entsprechen und das Museum langfristig in die Lage versetzen, seine Sammlung zu erweitern und das Sammlungsgut entsprechend den Ansprüchen eines Museums instand zu setzen und zu erhalten.
Im Wilhelmspalais selbst kann nur ein Zwischendepot für sehr kleine Objekte im Zwischengeschoss untergebracht werden.
Für den größten Teil des nicht im Wilhelmspalais gezeigten Sammlungsguts des Stadtmuseums sind Depotflächen im Bauteils C des zukünftigen Stadtarchivs im Bellingweg 21 vorgesehen.
Für den geplanten Betrieb des Stadtmuseum mit regelmäßigen Sonderausstellungen ist eine funktionierende Werkstatt unerlässlich. Die Werkstatt dient der Restaurierung, Überprüfung und Aufarbeitung von Objekten vor oder nach Ausstellungen bzw. vor der Einbringung ins Depot sowie der Vorbereitung von Objekten für Ausstellungszwecke.
Weder im Bellingweg 21 noch im Wilhelmspalais steht eine entsprechende Fläche zur Verfügung. Es wäre daher sinnvoll, die Werkstatt ebenfalls im Bellingweg 15 unterzubringen, um die ansonsten langfristig immer wieder anfallenden, erheblichen Transport- und Personalkosten zu vermeiden.
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