Rundbrief 1/2008
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Jüdische Kulturwochen
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Von 3. bis 16. November gibt es wieder die traditionellen Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart und Württemberg. Sie stehen unter dem Motto. "Zum Überleben verpflichtet - von der Verfolgung zur Verheißung". Mit diesem Motto greift die veranstaltende Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) zwei Ereignisse auf, die für das Judentum prägende Bedeutung haben: Seit 60 Jahren besteht der Staat Israel, und am 9. November vor 70 Jahren gingen während der Reichspogromnacht die Synagogen in Flammen auf.

Allein in Stuttgart gibt es 33 Veranstaltungen, die von der IRGW selbst und 20 beteiligten Kulturinstitutionen auf die Beine gestellt wurden.

Für Geschichtsinteressierte besonders interessante Veranstaltungen und Ausstellungen seien hier erwähnt:

Die Eröffnungsveranstaltung (Montag, 3. November um 19:00 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses der Landeshauptstadt) zählt traditionsgemäß zu den Höhepunkten der Veranstaltungsreihe. Nach den Grußworten soll die Podiumsdiskussion das Motto der Veranstaltungsreihe aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten: Prof. Michael Wolffsohn, in Tel Aviv geboren, lebt in München und lehrt jüdische Zeitgeschichte, der langjährige Vorstandssprecher der IRGW, Meinhard M. Tenné, geboren in Berlin, kehrte nach Jahren in Israel wieder nach Deutschland zurück und lebt hier, obwohl er während des Holocaust Mutter, Schwester und viele Verwandte verloren hatte. Dr. Josef Schuster, Mitglied des Präsidiums im Zentralrat der Juden in Deutschland, geboren in Haifa, kam als Zweijähriger mit seinen Eltern nach Deutschland und lebt heute in derselben Region, aus der seine Vorfahren stammen, und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Lala Süßkind, wurde als Kind polnischer und weißrussischer Juden in Niederschlesien geboren und kam bereits als Einjährige mit ihren Eltern nach Berlin. Auch der Moderator des Abends, Micha Guttmann, Jurist und Journalist beim Deutschlandfunk, hat sich in zahlreichen Veröffentlichungen mit dem jüdischen Leben in Deutschland auseinandergesetzt.

Zur Eröffnungsveranstaltung werden auch Angehörige und Nachkommen der Begründer von Shavei Zion ins Stuttgarter Rathaus kommen. Denn mit der Eröffnungsveranstaltung wird zugleich die Ausstellung „Ort der Zuflucht und Verheißung. Shavei Zion 1938 bis 2008“ ihren Auftakt haben. Sie erinnert an die Auswanderung schwäbischer Juden aus Rexingen (heute ein Ortsteil von Horb) und anderen Orten Württembergs nach Palästina und den Aufbau der Siedlung „Shavei Zion“ und ist vom 3. bis 27. November im zweiten Obergeschoss des Rathauses zu sehen. Thematisch mit ihr verknüpft ist die Schau über den Dichter Leopold Marx „Von Cannstatt nach Shavei Zion“ (Rathaus Stuttgart, 4. Obergeschoss Seitenflügel, 3. bis 16. November) und die Kunstausstellung von Marlis Glaser mit Porträts Emigrierter aus Shavei Zion im 3. Stock des Rathauses.

Bei einer Begleitveranstaltung zur Ausstellung liest Wolfgang Höper aus dem bewegenden Notizbuch von Manfred Scheuer, dem damaligen Bürgermeister der Siedlung, über die ersten Tage und Monate in dem im Norden Israels gelegenen Dorf. (Lesung und Musik: „Jeder leiste, was er kann, jeder erhalte, was er braucht“; Samstag, 15. November, 19:30 Uhr im Theaterhaus, Raum P1).

Die Geschichte und Bedeutung der jüdischen Gemeinden in Südwestdeutschland beleuchten die ausgewiesenen Fachleute Prof. Dr. Rolf Kießling, Bonstetten, Dr. Joachim Hahn, Stuttgart, Dr. Hanno Loewy, Hohenems, Dr. Uri Kaufmann, Heidelberg und Landesrabbiner a.D. Dr. Joel Berger, Stuttgart bei einem Symposium am Donnerstag, 13. November, 14:30 bis 18:00 Uhr im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Bei der vom Leiter des Hauses der Geschichte, Dr. Thomas Schnabel, moderierten Veranstaltung soll die Entwicklung der jüdischen Gemeinden im deutschen Südwesten unter verschiedenen thematischen Aspekten historisch aufbereitet, eine Bestandsanalyse gemacht und auch ein Ausblick in die Zukunft gewagt werden. Der Eintritt zu diesem Symposium ist frei.

Auch zahlreiche Vorträge greifen das Thema der Kulturwochen auf: Landesrabbiner a.D. Dr. Joel Berger beleuchtet am Mittwoch, 5. November um 19:00 Uhr im Treffpunkt Rotebühlplatz den „Weg des Zionismus – Wandel einer Idee“ und der ARD-Korrespondent in Tel Aviv, Richard Chaim Schneider, befasst sich am Dienstag, 11. November um 19:30 Uhr mit der „Rolle des Holocaust im Nahost-Konflikt“.

Dem lebendigen Stuttgarter Musikleben des frühen 20. Jahrhunderts wurde innerhalb kürzester Zeit nach 1933 die Grundlage entzogen, zunächst durch Berufsverbote, später durch direkte Verfolgung. An die damaligen Geschehnisse erinnert der Vortrag des Musikwissenschaftlers Matthias Pasdzierny am Dienstag, den 11. November um 20:00 Uhr in der Musikhochschule.

Auch in diesem Jahr werden namhafte jüdische Autoren bei den Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart erwartet. Den Beginn macht der bekannte Schauspieler Michael Degen, der bei der Veranstaltung unter dem Titel „Mein heiliges Land – auf der Suche nach meinem verlorenen Bruder“ sein eigenes Leben und damit die Gründungsjahre Israels und die Nachkriegsjahre in Deutschland nachzeichnet (Dienstag, 4. November, 20:00 Uhr, Hospitalhof Stuttgart).

Die Schwierigkeiten in Deutschland, sich der Vergangenheit zu stellen, dokumentiert der im vergangenen Jahr veröffentlichte NDR-Film „Das Schweigen der Quandts“, der jüngst als bester Dokumentarfilm mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Bei der Aufführung am Montag, 10. November um 19:00 Uhr im Haus des Dokumentarfilms wird Regisseur Eric Friedler anwesend sein und mit den Zuschauern diskutieren.

Der Stadtspaziergang im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen ist in diesem Jahr dem Thema „Das jüdische Stuttgart“ gewidmet. Der Religionswissenschaftler Thomas Schild beginnt seine Führung am Sonntag, den 16. November um 15:00 Uhr vor dem Literaturhaus.

Am 9. November finden in Stuttgart einige Gedenkveranstaltungen statt.

Verantwortet von den Kirchen und den Stolperstein-Initiativen werden Gedenkwege veranstaltet:

11.15 bis 12.30 Uhr: Gedenkgang zu den Stolpersteinen rund um die Christuskirche im Stuttgarter Osten, Treffpunkt: an der Christuskirche

11.15 bis 12 Uhr: Erinnerungsgang im Stuttgarter Westen, von der Ecke Rosenberg- / Johannesstraße bis zur Rotebühlstraße 35, Treffpunkt: Ecke Rosenberg- / Johannesstraße

11.30 bis 13 Uhr: Gedenkgänge zu den im Süden verlegten Stolpersteinen, Treffpunkte: jeweils an der Matthäuskirche und an der St. Maria-Kirche

15 bis 17 Uhr: Vom Killesberg zum Kriegsbergturm im Stuttgarter Norden – ein Gedenkweg in 7 Stationen, Treffpunkt: Bushaltestelle Killesberg

17.30 bis 18 Uhr „Alles in einem Koffer“ – ein Film von Philipp Noll, Ort: Staatliche Hochschule für Musik und Kunst

17.30 bis 19 Uhr Gedenkweg in der Innenstadt durch die Königstraße bis zur Synagoge in der Hospitalstraße, Treffpunkt: St. Eberhard-Kirche

In allen christlichen Kirchen wird um 18:55 Uhr die Gedenkglocke geläutet. Damit setzen die christlichen Kirchen ein Zeichen für Gedenken, für Buße, für Innehalten.

Um 19:00 Uhr findet die Gedenkveranstaltung der IRGW vor der Synagoge, Hospitalstraße 36, statt. 

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